Reisebericht Extremadura - Andalusien - Reise

Extremadura - Andalusien - Reise

1. Tag - Mittwoch 3.März

Ostholstein-Hamburg-Barcelona-Madrid Madrid-Truijllo - 288 Buskilometer

Pünktlich um 10 Uhr sammelt der Burmeister-Bus 16 reisewillige Eutiner und Malenter Freunde auf, um sie zum Hamburger Flughafen zu bringen. Dort warten bereits Geert Wolf und unsere Kieler Freunde Frau Lippert und Frau Schröder und Herr Petschelt auf uns, und auch die Befürchtung, das Ehepaar Schubert aus ihrem neuen Domizil in Hessen wäre nicht rechtzeitig am Flughafen, erwies sich bald als unbegründet. Lediglich aus Mrs. Lippert hatte die ,,Iberia" einen "Mr." Lippert gemacht, was auf keineswegs erwartete Schwierigkeiten stieß, die erst nach erheblichen Debatten anhand von Paßvergleichen zur letzt- endlichen Zufriedenheit gelöst werden konnte. Überhaupt sollte dieser erste Reisetag etliche Verzögerungen für uns bereithalten. Der Abflug verzögerte sich zunächst um mehr als eine Stunde, die Zwischenlandung in Barcelona war nicht vorgesehen und verursachte einen erneuten Zeitverlust. So war es denn schon fast dunkel, als wir endlich mitsamt unserem Gepäck auf dem Madrider Flugplatz standen. Herr Wuppermann war zwar schon da, aber nach kürzlichem Unfall erheblich lädiert und in seiner Bewegungsfreiheit deutlich behindert. Dafür fehlte nun der Bus. Aufgrund der langen Wartezeit hatte der Fahrer vermutlich eine Vesperpause eingelegt und mußte erst umständlich gesucht werden. Aber auch hier nahte schließlich ein glückliches Ende. "Julia" erschien, klein zwar, etwas eng, aber wie sich später herausstellen sollte, für enge und kurvige Gebirgsstraßen bestens geeignet, am Steuer ein stets freundlicher, zuverlässiger Mariano als Fahrer, der uns dann auf den abendlichen, bald nächtlichen Ausfallstraßen Madrids in gut 3 Stunden die 240 Kilometer bis zu unserem ersten Standort, Truijllo, geleitete. Mit dem im Programm vorsichtig angedeuteten, möglichen Spaziergang wurde es natürlich nichts mehr, als wir gegen 23 Uhr endlich in unserem Hotel ankamen. Dafür entschädigte ein ausgezeichnetes Mal mit im Preis einbegriffenem Rotwein und Mineralwasser ein wenig für die überstandenen, ärgerlichen, Wartezeiten, und so - angenehm gesättigt -wurden die Zimmer bezogen. Jeder war froh, diesen langen, leider meist unumgänglichen Anreisetag glücklich hinter sich gebracht zu haben.

2. Tag: Donnerstag. 4.März

Westliche Extremadura Truijllo-Caceres-Ricon de Ballesteros-Truijllo 165 Buskilometer

Um 8 Uhr fand sich die Teilnehmerschaft - mehr oder weniger ausgeschlafen - pünktlich zum Frühstück ein. Nach den überaus guten Erfahrungen des Vorabends erwartete zu mindestens unsere "Viel-Esser" eine böse Enttäuschung! Ein (!) Brötchen und ein Stück Süßgebäck waren nicht eben viel, um einen hungrigen Magen zu befriedigen, wenn auch der bedienende Ober, gegen ein gerin-ges Entgelt und entsprechender Bitte bereit fand, ein weiteres Brötchen nach zureichen. Überhaupt galt es, sich mit den völlig anderen, für uns ungewohnten Essensgewohnheiten der Spanier erfolgreich auseinanderzusetzen, speist man doch hier abends sehr spät und zudem auch reichlich, so fällt das Frühstück für deutsche Mägen eher spärlich aus. So war denn auch ein Reiseteilnehmer den veränderten Eßgewohnheiten und den Reisestrapazen "zum Opfer" gefallen und konnte den ersten Reisetag nicht mit-machen. Tröstlich für uns später zu hören, daß dieser ab Mittag wieder auf dem Damm gewesen sei und die Umgebung erkunden konnte, und wenigstens hier einen bescheidenen Vorsprung erwirtschaftet hatte. Voller Erwartung machte sich inzwischen die Gruppe auf den Weg zur Entdeckung der Extremadura. Auf der N 251 bewegte sich der Bus zunächst in westlicher Richtung um allerdings schon bald nach Nordwesten und Danta Marta de Magasca abzuweichen. Wir kommen dabei durch eine sehr unterschiedlich geprägte Landschaft. Auf einer weiten, steppenähnlichen Hochfläche verlassen wir den Bus und entdecken bald - leider nur in einiger Entfernung -einen großen Trupp Zwegtrappen. Die ersten Begegnungen mit Häherkuckuck und Wiedehopf laufen ab. Erste Debatten treten auf, ob es sich um Thekla- oder Haubenlerchen handelt, und wird uns die ganze Reise lang begleiten. Sehr früh machen wir die Er-fahrung, daß überall rechts und links der Straße schwarzweiße Schilder Jagdschutzgebiete ausweisen und ein ungehindertes Verlassen der Straßen und Wege verbieten. Wir lernen die Dehesas kennen: lichte Stein- und Korkeichen, die seit Urzeiten in ausgewogener Weise für Viehzucht, Ackerbau und Holzwirt-schaft in einer Art Dreifelderwirtschaft genutzt werden und natürlich eine gesunde Grundlage für eine abwechslungsreiche Tier- und Vogelwelt abgeben. Wir sind gespannt auf das "Weltkulturerbe"Caceres mit 70.000 Einwohnern eine der wenigen großen Städte dieser am spärlichsten bewohnten Bezirke Spaniens. Der Bus entlädt uns auf der Plaza Mayor am Fuße der höher gelegenen Altstadt. Mariano kann hier nur kurzfristig parken, und wir werden gebeten, nach zweistündigem Aufenthalt wieder pünktlich an gleicher Stelle zu warten. Die Besichtigung der wunderschönen Altstadt versetzt uns zurück in das 15. bzw. 16 Jahrhundert. Innerhalb der mit vielen Türmen bewährten Mauern bietet sie mit den Adelspalästen aus Gotik und Renaissance und den engen Gassen ein durchaus ein heimliches Bild, das in Spanien seinesgleichen sucht Zudem herrscht hier im Gegensatz zu der betriebsamen Altstadt eine fast absolute Stille. Uns als ornithologisch Interessierte beeindruckten in besonderem Maße die vielen Störche! Nicht selten zählten wir 8, einmal sogar 11 Horste auf einem Kirchturm, und von solchen in hohem Maße geeigneten Niststätten gibt es in dieser Stadt etliche. Interessant, da ß auch die hohen Gebäude der Neustadt nicht ausgenommen sind. Eine flüchtige Schätzung der hiesigen Storchenpopulation pendelt sich auf eine Zahl von etwa 100 Horsten ein. Kein Wunder, daß die Zeit schnell vergeht. Uns bleibt nur wenig Zeit, den ersten, durchaus ,,spannenden" Einkauf zu tätigen. Es ist doch manches anders als bei uns zulande, die Essensgewohnheiten und manche Lebensmittel sind anders, und es kommen die Sprachbarrieren dazu. So fehlt hier im Angebot das bei uns so beliebte Schwarzbrot, und wir merken bald, daß das spanische Weißbrot nur 24 Stunden lang so richtig knusprig schmeckt. Dafür finden Schaf- und Ziegenkäse bald lebhafte Anerkennung. Pünktlich zur festgesetzten Zeit sind alle Teilnehmer am verein-barten Ort und ,,Julia1" nimmt uns auf.

Wir fahren jetzt in südöstlicher Richtung auf der E 803 und biegen nach etwa 25 km nach rechts auf einsame Pfade ab, um in der Nähe des Dorfes Rincon de Ballasteros nach dem Habichtsadler zu suchen, der - so sagt man - an den Hängen der Sierra San Pedro gern paarweise entlang streift, um Beute zu machen. Kurz vor dem genannten Ort steigen wir aus, um nach einer kurzen Essenspause die Erkundung aufzunehmen. Ein Weg führt uns leicht auf- wärts. Rechts die Dehesas mit ihren Eichenbeständen, in denen Schweine und Ziegen weiden, Esel oder Maultiere rufen, auf der anderen Seite bessere Beobachtungsmöglichkeiten auf die Hänge. Den Habichtsadler entdeckten wir nicht, dafür aber sehen wir Blaumerle, Raubwürger, Heidelerche, Schwarzkehlchen, um nur einige Arten zu nennen. Wunderschöne Christrosen und bereits üppig blühende Blumenwiesen begleiten unseren Weg, ehe wir wieder in unseren Bus klettern und schließlich auf direktem Weg - an der Burg Montanchez vorbei - unserem Hotel in Truijllo zustreben. Da - wie bereits gesagt - in Spanien spät gegessen wird, vertreibt sich jeder ganz nach Belieben die verbleibende Zeit mit einem Spaziergang in die ebenfalls geschichtsträchtige, alter-tümliche Stadt oder ganz einfach zur Erholung. Manch einer mag sich dabei schon auf das Essen freuen, und manch einer vielleicht auch auf die von anderen Reisen her sattsam bekannte vogelkundliche Bestandsaufnahme. Die Spatzen in den Schlafbäumen vor dem Hotel sind längst verstummt, als sich die letzten Teilnehmer zur Ruhe begeben.

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