Reisebericht Estland - Wälder & Moore

Estland - Wälder & Moore

02. August, Anreise

Estland: Naturparadies im Baltikum. Mit dieser verheißungsvollen Ankündigung bestiegen wir, eine Reisegruppe von 7 Erwachsenen und einem Kind mit unserem Reiseleiter Olaf Wuppermann, das Flugzeug und flogen nach Tallinn.

Beim Anflug auf Tallinn erlebten wir die mittelalterlich geprägte Hauptstadt Estlands in einem gigantischen Abendlicht - der Empfang war schon gelungen!. Nach dem Auschecken trafen wir auch drei weitere Teilnehmer, die tags zuvor schon aus Hamburg angereist waren. Ernst, der uns die ganze Reise über chauffierte, fuhr uns schließlich zu unserem ersten Quartier nach Käsmu im Lahemaa-Nationalpark.

Als wir in den Hof unserer Pension einbogen, war mir sofort klar, dass ich hier richtig war. Das leichte Rauschen der hochstämmigen Kiefern und der Ostsee, die laue Luft und der alte Bauernhof (unsere Pension) … eine Urlaubsstimmung wie im Buche!

03. August

Das Gesehene des gestrigen Abends war kein Traum. Der Tag begann mit einem bäuerlichen Frühstück, bei dem die Hausdame peinlichst genau darauf achtete, dass ja alle Schüsseln und Platten wieder aufgefüllt wurden. Gestärkt starteten wir unsere erste Wanderung durch einen Teil des Lahemaa-Nationalparks. Wir wanderten durch lichte Kiefernwälder und am Strand entlang. Die Küste ist bekannt für ihre zahlreichen Findlinge. Diese konnte unser jüngster Teilnehmer Yves zwar nicht ins Meer werfen, dafür gab es jedoch genug andere Steine. Das Steinewerfen sollte sich zum Volkssport unserer Reise entwickeln…! Die sehr abwechslungsreiche Wanderung endete zufälligerweise in einem Wikingerlager. So bekamen wir abschließend noch einen Einblick in das Wikingerleben geboten: wie sie lebten saunierten, gekleidet waren und kämpften.

Unser Tagesprogramm führte uns nach einer kurzen Busfahrt zum Gutshof Palmse, dessen Räumlichkeiten wir besichtigten, sowie seine schöne Gartenanlage. Der Gutsherr von der Pahlen wusste schon damals, wo man sich niederlassen sollte! Dies sollte aber immer noch nicht der Abschluss des Tages sein. Denn wir fuhren noch ein Stück weiter zu dem gut erhaltenen kleinen Fischerdorf Altja. Somit hatten wir einen kleinen Teil des ersten Nationalparks Estlands kennen gelernt und waren nach diesem ersten Tag beeindruckt!

Das deftige, typisch estnische Abendessen hatten wir uns dann redlich verdient.

04. August

Am heutigen Tag starteten wir mit unserem Gepäck nach Tartu, einer Universitätsstadt im Südosten des Landes.

Auf dem Weg dorthin fuhren wir zuerst in das Schutzgebiet Saka-Ontika-Tolia, mit dem höchsten Kliff Estlands. Nach einer Wanderung entlang des Strandes, mussten wir das Kliff kletternd überwinden, um wieder auf die Straße zu kommen. Dank eines Drahtseiles schafften wir es relativ locker, das steile Kliff hochzuklettern. Als man oben angekommen war, wurde einem erst bewusst, wie steil senkrecht es in die Tiefe ging. Aber jedes Alter in unserer Gruppe hatte dieses "Abenteuer" gut überstanden und für Yves war dieser Weg alles andere als "spießig" gewesen!

Nach einer kurzen Busfahrt hielten wir in einem kleinen Ort an, um für das Picknick einzukaufen. Der Laden lud zum Kaufen ein, denn er hatte noch eine richtige Verkaufstheke wie früher. Eine gewisse Romantik stellte sich ein! Dass wir weit entfernt von touristischen Zentren waren wurde hier deutlich, denn die Verkäuferin konnte nur Russisch und Estnisch sprechen. Mit Fingerzeig und Händen und Füßen kaufte Olaf das Nötige ein. Die Ruhe dieses Ortes genießend, picknickten wir in einem kleinen Park.

Anschließend fuhren wir am Peipussee entlang weiter in Richtung Tartu. Unterwegs hielten wir in Kallaste an, um uns das 8 m hohe und 200 m lang rote Sandsteinufer anzusehen und zu verweilen. Interessant war, dass unzählig viele Löcher in den Sandsteinfelsen waren. Olaf erklärte uns, dass dies Bruthöhlen von Felsenschwalben sind. Da in diesem Ort überwiegend Russen leben, konnten wir auch einen Friedhof russisch-orthodoxer Christen sehen. Von hier war es dann nicht mehr weit bis Tartu.

05. August

Nach reizvollen Landschaften, starteten wir den Tag mit einer Stadtführung durch Tartu. Unsere Führung per pedes begann auf dem Domberg, der allerlei historische Bauwerke und Denkmäler preisgab.

Sehr beeindruckt waren wir alle von der Universität. Hier hätte manch einer gerne studiert, weil alles so gepflegt und ordentlich aussah. Die Aula war ein wirklicher Prachtsaal und man konnte sich gut eine feierliche Abschlussfeier hier vorstellen. Einzig der alte Karzer im Dachgeschoss lud nicht zum dauerhaften Verweilen ein. Trotzdem blieb so manche Wandkritzelei nicht unbemerkt … an was Studenten denken, wenn sie eingesperrt sind!?

Auffällig waren die vielen frisch renovierten Häuser, so auch das Rathaus. Gleich in seiner Nachbarschaft steht das schiefe Barclay-de-Tolly-Haus. Somit kann sich nicht nur Pisa seines schiefen Turmes rühmen, auch im hohen Norden gibt es solche Raritäten.

Während einige der Gruppe weiter die Stadt erkunden wollten, fuhren die anderen nachmittags in das Landschaftsschutzgebiet Taevaskoja. Auf der Busfahrt dorthin erzählte uns Olaf, dass man in diesem Gebiet Eisvögel sehen kann. Bisher habe er bei jeder Tour mindestens einen gesehen. Diese Ankündigung ließ uns natürlich umso aufmerksamer die Natur betrachten. Ein See lud uns sofort zu einer Bootsfahrt ein, die nachher keiner bereute. Denn der Bootsführer erzählte uns sehr malerisch Sagen, die sich in diesem Gebiet abgespielt haben sollen und ein heftiger Regenschauer ließ uns auf dem Boot nicht nass werden.

Anschließend wanderten wir durch diese sagenhafte Landschaft, vorbei an riesigen bis zu 24 m hohen Sandsteinfelsen, die teilweise von Höhlen durchzogen sind. Die unzähligen Löcher in den Felsen deuteten darauf hin, dass hier viele Vögel ihre Nistplätze haben. Nur der angekündigte Eisvogel ließ sich nicht blicken und so musste Olaf mit unseren spöttischen Kommentaren den Rest des Tages leben!

Das Abendessen nahmen wir in einem Restaurant im ehemaligen Schießpulverkeller ein. Wo man heute feurige Gulaschsuppe aus einer Terrine aus Brot in Form einer Schießkugel essen kann, lagerte tatsächlich vor Jahrzehnten das Schießpulver der Stadt!

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